Ich bin kein Zwerg, ich bin ein Mensch

Dank eines Redakteur der Süddeutschen Zeitung (#SZ), werden wir Kleinwüchsige gleich mal 50 Jahre zurück versetzt. Eigentlich wollte er einen Nachruf schreiben,, weil der Schauspieler  in den 80ern in einer Puppe für Dreharbeiten „Alf“ verkörperte.

Anstelle einen tatsächlichen Nachruf zu schreiben, seine Aktivitäten würdigte und vielleicht darauf hinwies wie er vor, während und nach seiner Aktivität als Alf lebte, und mit seinem Kleinwuchs zurecht kam, kam von diesem Redakteur ein Hohelied darauf, wie lustig wir Kleinwüchsige aussehen, wirken und das Volk bespassen können:

Zitat aus der SZ
„Kleinwüchsige begeistern schon deshalb, weil von ihnen ein märchenhafter Zauber ausgeht. Weil sie wie Erwachsene wirken, die man in Kinderkörper gesteckt hat. Weil sie sich ähnlich komisch bewegen wie die schlaksigen Riesen Stan Laurel oder Jacques Tati. Weil ihre Stimmen piepsen, als hätten sie Helium eingeatmet. Die Tonlage von Kleinwüchsigen ist meist noch höher als die von Frauen. Das ist beeindruckend für all jene, die ihren Stimmbruch überstanden haben.“
Zitatende

Auf Grund eines Shit-Storm von Kleinwüchsigen, im Facebook und Twitter, unter dem Hashtag #KEINZWERG, wo viele sich durch einen Foto, mit einem Plakat darauf, „Ich bin kein Zwerg, ich bin ein Mensch“ oder ähnliches stand, war die SZ genötigt, all denen, die direkt dem Redakteur eine empörende Mail schrieben, zu antworten, aber die Entschuldigung war fast schlimmer, als der Artikel selbst und er bat uns Kleinwüchsigen um Verständnis, wir sollen das nicht so Ernst nehmen, und sollen es mit Humor nehmen. Die Antworten waren bei allen gleich, es wurde nicht einmal die Mühe gemacht die Anrede + Name zu ändern.

Und ja wir Leben, wir bringen vielleicht andere zu Lachen, und machen vielleicht auch Witze über uns selbst, aber wir machen es als Menschen, wie jeder andere auch, und nicht als Kleinwüchsige, wo geboren sind, um andere zu bespassen.

Enttäuscht war ich irgendwie, vor Reaktionen, aus meinem erweiterten Bekanntenkreis, die sich aufgeregt haben, dass wir aus einer Mücke einen Elefanten gemacht haben, auf Probleme von anderen hinwiesen, und die nicht so einen Aufstand machen würden, (was im übrigen nicht stimmt). Ich persönlich finde es schlimm, wenn ich mich rechtfertigen muss, von etwas was ich empfinde, wo andere evtl. nicht nachvollziehen können, aber mir vorschreiben wollen was ich zu tun und lassen habe, dabei dann auch noch Äpfel und Birnen in einen Korb werfen. Dabei Leben wir mit unsere Behinderung und können dies nur beurteilen.

So nebenbei (nicht nur bezogen auf Kleinwuchs, sondern Behinderung allgemein), deshalb wird nicht mit uns geplant, sei es Gesetze, Bauvorhaben etc, sondern über unsere Köpfe hinweg, Mit dem Ergebnis das oft nur Bullshit herauskommt, und wir mit dem Ergebnis, nicht zufrieden sind, und dann uns noch vorgeworfen wird, wir sind ja mit nichts zufrieden und sollen doch dankbar sein, das etwas für uns gemacht wird.

Eines hat die Aktion gezeigt, gemeinsam ist man Stark, gemeinsam kann man etwas erreichen, und auch David gegen Goliath kann funktionieren, man muss nur den Mut dazu haben. Und zum Glück haben wir inzwischen eine Lobby und können uns wehren, diese Lobby lassen wir uns nicht mehr wegnehmen, wer es probiert soll sich warm anziehen.

Ich bin jetzt bewusst nicht auf die Vor- und Nachteile des Kleinwuchs eingegangen, wie ich Lebe, und meine Umwelt mich war nimmt, auch nicht auf meine Körperliche Einschränkungen, weil das ist eine andere Problematik.

Zum Schluss möchte ich auf ein paar Blogs hinweisen, die über dieses Thema auch sehr gut, (und wesentlich besser als ich), geschrieben haben:

Ninja LaGrande:
http://ninialagrande.blogspot.de/2016/06/keinzwerg-warum-die-diskrimierung-von.html

Andrea Schöne:
http://www.firstlife.de/ich-bin-ein-mensch-und-kein-zwerg/

Michel Arriens
http://michelarriens.de/sueddeutsche-zeitung-wir-muessen-reden/
http://ze.tt/kleinwuechsige-sind-keine-maerchenfiguren/


Nachtrag 18. Juni 2016:

Nach vier Tagen, durch den Druck von vielen empörten Kleinwüchsigen, hat sich die Süddeutsche Zeitung in einem Statement öffentlich entschuldigt.

Bei den Kommentaren die unter dem Statement standen, habe ich ziemlich schnell aufgehört zu lesen, es gibt viele Leute, die es nicht kapieren wollen, und denken, „mir geht es gut – also nervt mich nicht!“, zudem wie sagte schon Albert Einstein so schön:

„Wer schweigt, stimmt nicht immer zu.

Er hat manchmal keine Lust mit Idioten zu diskutieren.“

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